Preview am Sonntag (40)

Das Blut der HeldenImmer sonntags stellen wir einen Auszug aus einem Roman online, der noch nicht erschienen ist. Wir weisen darauf hin, dass die Auszüge aus Manuskripten stammen, die unter Umständen noch nicht im Lektorat und auch noch nicht vorbestellbar sind. Nachdem wir bereits das erste Kapitel und das zweite Kapitel (hier und hier) von „Das Blut der Helden“ von Joseph Nassise online gestellt hatten, folgt heute der Auftakt des dritten Kapitels. Markus Mäurer hat den Roman ins Deutsche übertragen, das Titelbild des Alternativwelt-Romans stammt von Mark Freier. Das Paperback liefern wir in der kommenden Woche aus, das eBook stellen wir Ende der kommenden Woche online. Der Druck des Hardcovers dauert wie gewohnt etwas länger, den Versand haben wir für den 9. Februar eingeplant.

 

 

Als die Angriffswelle der Watschler aus der seltsamen Maschine vor ihm wogte, zog Burke ganz ruhig seine Pistole und begann, auf sie zu feuern. Sein erster Schuss traf den Watschler, der ihm am nächsten stand, direkt ins Gesicht, schleuderte ihn auf dessen Hintermann und schickte beide zu Boden. Er hoffte, dass es die anderen wenigstens etwas verlangsamen würde, aber die Horde bemerkte es nicht einmal, während sie weiter vorwärtsdrängte und ihre Kameraden in den Schlamm unter ihren nackten Füßen trampelte; ihre schaurigen Hungerschreie durchschnitten die Morgenluft.

Er konnte Charlies Gewehr ganz in der Nähe hören und zwei der Veteranen hatten genug Zeit, um mehrere Schüsse abzugeben, die ein halbes Dutzend Feinde, zumindest vorübergehend, zu Boden streckten, bevor die Watschler zu sehr ineinander verheddert waren, um weiter vorzustoßen.

An diesem Punkt blieb ihnen nicht anderes übrig, als sich in den Nahkampf zu stürzen. Sie mussten die Linie halten; wenn es den Watschlern gelingen würde, an dieser Einheit vorbeizukommen und den Rest des Grabenkomplexes zu betreten, war nicht abzusehen, welchen Schaden sie anrichten könnten.

Mit der Pistole in seiner rechten Hand und dem Grabenmesser in den Metallfingern seiner Linken stürmte Burke vorwärts. Er hatte diese Situation schon zu oft erlebt, um es noch zu zählen, und sein Körper wusste, ohne darüber nachzudenken, was zu tun war. Die Watschler bewegten sich nicht nur langsam, sondern kämpften auch ohne jeden Sinn für Selbstschutz; sie dachten ausschließlich an die Nahrung, die sich vor ihnen befand. Solange man nicht überwältigt wurde, konnte sich ein gut bewaffneter Mann gegen mehrere der Kreaturen auf einmal behaupten.

Er schwang sein Grabenmesser gegen den Watschler, dabei zielte man auf einen ungeschützten Punkt am Hals oder den Schwachpunkt hinterm Knie; die gut geschärfte Klinge schnitt mit Leichtigkeit durch das verrottende Fleisch der Kreatur. Hat man einen von ihnen erst einmal am Boden, zog man seine Pistole und verpasste dem Vieh eine Kugel in den Kopf, um sicherzugehen, dass es nicht wieder aufstand. Schon nach kurzer Zeit war er über und über mit Blut, Innereien und dem Geruch von verwesendem Fleisch bedeckt.

Nach wenigen Minuten, die sich für ihn wie Stunden anfühlten, gab es vor ihm eine Kampfpause und er hatte einen Moment, um die Lage zu überblicken. Die Welt schien sich zu verschieben, alles verlangsamte sich, ließ ihn einen guten Blick auf die Kampfhandlungen um ihn herum werfen, als wäre er aus der Zeit herausgetreten und würde zurückblicken, während die Details mit nüchterner Klarheit hervortraten … einer seiner Männer, den Mund weit geöffnet, seinen Zorn herausreiend, während er den Schädel eines Watschlers mit dem zerbrochenen Schaft seines Enfield-Gewehrs einschlug; ein anderer stehend, seine Pistole auf den Watschler abfeuernd, der sich in sein Bein verbissen hatte, die grauen Zähne rissen Fleisch aus seiner Wade; ein hysterischer junger Mann, der den Körper eines anderen in seinen Armen wiegte, während Blut sein eigenes Gesicht herunterlief und der Feind sich näherte.

Der Schauplatz war das reine, unverfälschte Chaos, die Grundessenz der Schlacht, und sich insgeheim schämend, fühlte Burke, wie sein Herz bei diesem Anblick jubelte.

Das war es, wofür er geboren wurde; das war es, was ihn sich lebendig fühlen ließ, was ihn an der Front bleiben ließ, selbst nachdem er seine Hand inmitten einer Schlacht wie dieser verloren hatte.

Eine Bewegung in der Nähe der wühlenden Maschine zog seinen Blick auf sich. Während er hinsah, klappte eine Luke vorn zwischen den Ketten nach unten und ein graugesichtiger Watschler spähte hervor. Die Vorsicht der Kreatur war es, die Burkes Aufmerksamkeit erregte; sie hätte in das Handgemenge hinausstürmen sollen, als hätte jemand die Essensglocke geläutet, und nicht erst mal überprüfen, ob die Luft rein war.

Burke kümmerte sich um den Watschler vor sich, indem er ihm sein Messer direkt in die Augenhöhle stieß und kräftig drehte, dann wandte er seine ganze Aufmerksamkeit dem Neuankömmling zu. Er befand sich in der perfekten Position, um zu beobachten, wie dieser augenscheinlich seine Meinung änderte und im Laufschritt aus der Luke hervorsprang. Der Neuankömmling ignorierte beharrlich Freund und Feind gleichermaßen und bewegte sich in einem schwerfälligen Gang auf die Öffnung des Kommunikationsgrabens zu.

Watschler können nicht rennen, dachte Burke.

Watschler können nicht rennen.

Aber dieser konnte. Er leistete dabei sogar verdammt gute Arbeit, wie ein Tight End, der gerade den Football gefangen hatte und alles gab, um in die Endzone des gegnerischen Teams zu gelangen.

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