Preview am Sonntag (30)

SöldnerehreImmer sonntags stellen wir einen Auszug aus einem Roman online, der noch nicht erschienen ist. Wir weisen darauf hin, dass die Auszüge aus Manuskripten stammen, die unter Umständen noch nicht im Lektorat und auch noch nicht vorbestellbar sind.

Im vorigen Jahr erschien von Stefan Burban der Fantasy-Roman „Söldnerehre“; als Hardcover, Paperback und eBook, letzteres erhältlich bei Amazon und beam-eBooks. Das Cover stammte von Allan J. Stark.

Kilian, Anführer einer heruntergekommenen Söldnertruppe, nimmt nur widerwillig den Auftrag an, eine Gruppe Flüchtlinge durch das vom Krieg zerrissene Land Varis zu eskortieren. Ihr Ziel ist Erys, die letzte freie Stadt des Königreichs. Der eingeschlagene Weg führt sie quer durch die Wildnis und mitten durch den Brennpunkt des Krieges.
Doch mit den Flüchtlingen halst Kilian sich mehr Probleme auf, als er in seinen kühnsten Träumen befürchtet hätte. Denn es befinden sich bereits skrupellose Verfolger auf ihrer Spur, denen jedes Mittel recht ist, ihrer Beute habhaft zu werden. Und sie betrachten die Söldner lediglich als lästiges Ärgernis …

SöldnertreueIm Dezember setzen wir die Reihe fort, und zwar mit „Söldnertreue“. Das Titelbild stammt ein weiteres Mal von Allan J. Stark. Hardcover und Paperback sind vorbestellbar, parallel erscheint auch eine eBook-Version.

Logan, seit Coyle Polloks Tod Anführer des Schwarzbären-Clans, wacht mit eiserner Faust über den brüchigen Frieden zwischen den nördlichen Königreichen und dem Steppenvolk. Doch immer wieder überqueren abtrünnige Moyri die Grenze und richten furchtbare Massaker an.
Die Gefahr eines Bürgerkrieges unter den Clans wird schließlich zur tödlichen Bedrohung, als Logan trotzdem unerbittlich am Frieden festhält. Hin und her gerissen zwischen der Liebe zu seinem eigenen Volk und dem Wunsch, den Frieden zu bewahren, trifft er eine verhängnisvolle Entscheidung und spielt damit seinen Feinden unbewusst in die Hände.
Als schließlich auch noch eine Söldnerarmee aus dem Norden ins Land der Moyri einmarschiert, scheinen alle Hoffnungen endgültig verloren…

Im April hatten wir hier den Prolog aus dem Roman online gesetzt, im Juli hier das erste Kapitel. Das zweite Kapitel folgt nun heute.

Als Logan an der Spitze seiner Eisernen Schakale in sein Hauptlager galoppierte, wurde er bereits von einer jubelnden Menschenmenge erwartet.

Obwohl er es genoss, dass sein Volk ihn liebte, hatte er in solchen Momenten nur Augen für ein Gesicht, das bei seiner Rückkehr stets in der ersten Reihe zu finden war.

Logan sprang vom Pferd, umarmte Jesy herzlich und drückte ihr einen Kuss auf den Mund. Bei diesem Anblick wurde der Jubel der Menge ohrenbetäubend.

„Du hast mir gefehlt“, hauchte sie ihm ins Ohr.

„Du mir auch“, antwortete er lächelnd und strich ihr durch das dunkle Haar.

Er nahm sie in den Arm und wollte sie zu seiner Jurte führen, während sich die Menge langsam auflöste. Auf halbem Weg hielt sie ihn jedoch auf. „Das muss noch warten.“

Erneut zog er sie zu sich heran. „Ich weiß nicht, ob ich noch warten kann.“

Bei dieser eindeutigen Bemerkung, lächelte sie erneut. Zärt-lich, aber bestimmt löste sie sich von ihm. „Es geht nicht anders. Du hast Besuch.“

Logan musterte sie eindringlich. „Freundlicher Besuch?“

„Wohl kaum.“

Er bemerkte, wie hinter Jesy Beliak Eskal mit hinter dem Rücken verschränkten Händen wartete. Der Mann war der Sohn des ehemaligen Anführers der Eisernen Schakale, Nari Eskal. Der Sohn glich dem Vater auf beunruhigende Art und Weise. Erinnerte dessen Anblick Logan doch immer an den Mann, den er hatte töten müssen. Bei der Optik endete die Ähnlichkeit jedoch bereits. Wo Nari brutal und grausam gewesen war, da war Beliak sanft und mitfühlend. Trotzdem – oder vielleicht auch gerade deshalb – gehörte Beliak zu den besten Kriegern des Clans.

Logan machte nie einen Hehl aus Naris Schicksal, das dieser unter Logans Schwert gefunden hatte. Überraschenderweise hatte Beliak ihm nie Vorwürfe gemacht oder Blutrache geschworen, wie es sein Recht – und seine Pflicht, wie immer noch viele ehemalige Anhänger Polloks fanden – als Sohn gewesen wäre. Offenbar war er als Vater so schlecht gewesen wie er als Krieger blutrünstig gewesen war.

Stattdessen stellte Beliak seine Schwerter in Logans Dienst. Nun führte er die Eisernen Schakale unter Logans Banner. Im ganzen Schwarzbären-Clan gab es keinen treueren Anhänger Logans als diesen Mann. Er vertraute ihm bedingungslos.

Logan winkte einen seiner Schakale heran, der ein Bündel in den Armen trug. Als Jesy den Mantel zurückschlug, lugten zwei ängstliche Augen daraus hervor.

„Wer ist das?“, fragte sie und nahm das Kind von dem Krieger entgegen.

„Eine Überlebende. Wir haben sie vor drei Tagen aus einem zerstörten Varis-Dorf gerettet.“
Jesys Blick zuckte hoch. „Varis?!“

Logan nickte. „Kümmer dich bitte um sie.“

„Gern. Wie heißt sie denn?“

„Keine Ahnung. Sie hat noch kein einziges Wort gesagt.“

„Hast du Hunger, Kleines?“, fragte Jesy das Mädchen. Sie bemühte sich, Freundlichkeit auszustrahlen, doch das kleine Mädchen blickte immer noch voller Angst und warf den Moyri-Soldaten ringsum immer wieder unsichere Blicke zu.

„Natürlich hast du Hunger“, beantwortete Jesy ihre eigene Frage. „Sie setzte das Mädchen ab und führte sie in die Jurte. Bevor sie die Plane zurückschlug, schickte sie mehrere Dienerinnen davon, um Milch, Brot und etwas Wild für die Kleine zu holen.

Logan wandte sich schweren Herzens von Jesys Anblick ab und dem Anführer der Eisernen Schakale zu. „Also? Wer ist hier?“

„Rate“, forderte Beliak ihn leichthin auf.

„Ich musste gerade meine Frau fortschicken, die ich über eine Woche nicht mehr gesehen habe. Daher bin ich heute nicht für deine Späße aufgelegt. Nun sag schon.“

„Dys.“

Logan stieß ein ärgerliches Grunzen aus, das Beliak ein vergnügtes Glucksen entlockte. Dys Bollnar war der Stammeskönig der Blauspeere.

„Das ging ja schnell“, sagte Logan. „Wo ist er?“

Beliak nickte in Richtung einer einfachen Jurte am anderen Ende des Lagers. Logan nickte und bedeutete dem jungen Mann, ihn zu begleiten. Auf ihrem Weg, ließ Logan den Blick über das Lager schweifen. Es war das größte der Schwarzbären. Mehr als zwanzigtausend Menschen lebten hier. Der Clan verfügte noch über gut drei Dutzend weiterer – wenn auch kleinerer Lager – und Dutzende kleinerer Dörfer, die über ihr gesamtes Gebiet verstreut waren. Der Clan gedieh prächtig, woran nicht zuletzt Logans Friedensinitiative Anteil hatte.

„Wann traf er hier ein?“

„Gestern.“

„Schlechte Nachrichten verbreiten sich schnell, was?“

„Allerdings. Was glaubst du, was er hier will? Drohen oder Abstreiten?“

„Ich gehe jede Wette ein, dass der feige kleine Mistkäfer alles abstreiten will.“

„Vermute ich auch.“

Logan ließ seinen kundigen Blick über das Lager und die Jurte seines Gastes schweifen, das abseits der anderen Behausungen stand.

„Gibt es einen bestimmten Grund, aus dem du ihn isoliert hast?“, frotzelte Logan, der seine Heiterkeit nur mit Mühe verbergen konnte.

„Aufgrund eurer … freundschaftlichen Gefühle füreinander, hielt ich es für besser, ihn und vor allem seine Leibwache etwas abseits einzuquartieren.“

Beliak sprach mit neutraler Miene, doch hinter der gelassenen Aura brodelte es. Wieder staunte Logan über den Scharfsinn seines Offiziers und die ruhige Art, mit der dieser solche Probleme anging. Andere hätten über die Feindschaft zwischen Logan und Dys vielleicht hinweggesehen, der Diplomatie den Vorzug gegeben und den anderen Stammeskönig in einer Jurte einquartiert, die der Logans näherlag. Etwas, das einem geehrten Gast zustand.

Beliak jedoch sah solche Dinge aus der pragmatischen Sicht eines Soldaten. Es bestand keine offizielle Feindschaft zwischen Schwarzbären und Blauspeere, doch für ihn war Dys ein erklärter Feind. Eine Gefahr für seinen Clan und seinen Stammeskönig. Und Gefahren mussten neutralisiert werden. Durch die Isolation des anderen Stammeskönigs und seiner Gefolgschaft, war sichergestellt, dass sie jeder Bedrohung, die von ihnen ausging, schnell und entschieden begegnet werden konnte. Ganz zu schweigen, dass die Blauspeere nun weit weg von Logans Zelt schliefen und dies wiederum ließ Beliak besser schlafen.

Vor dem Zelt hatten fünfzehn Krieger der Blauspeere Posten bezogen, die ihn alle – wie nicht anders zu erwarten – mit finsteren Blicke durchbohrten.

Aus den Augenwinkeln bemerkte Logan Bewegungen zwischen den anderen Zelten. Ein unmerkliches Lächeln umspielte Logans Mundwinkel. Beliaks Eiserne Schakale beobachteten jede Bewegung der Blauspeer-Krieger, bereit einzugreifen. Auf jeden Blauspeer kamen vier Schwarzbären. Auf der anderen Seite von Dys` Jurte patrouillierte eine Gruppe Reiter der Schwarzbären. Sie beobachteten jedoch nicht die Steppe, sondern aus-schließlich ihre Gäste. Beliak ging kein Risiko ein. Logan machte sich allerdings keine Sorgen, dass seine Gäste etwas Dummes unternahmen. Nicht einmal die Blauspeere waren so vermessen, gegen die Schwarzbären anzutreten. Jedenfalls nicht, wenn sie nicht in der Übermacht waren.

Die Schwarzbären waren ein mächtiger Clan, mit mächtigen Verbündeten. Ein Clankrieg zwischen den beiden Konkurrenten wäre kurz, brutal und das Ende vorhersehbar.

Vor dem Zelt wartete bereits eine kleine, gedrungen wirkende Gestalt. Logan lächelte, als er sie erkannte. Bei seinem Er-scheinen, verbeugte sich die Gestalt tief. Unmengen an Ketten klimperten und berührten während der Verbeugung beinahe den Boden.

„Und was tust du hier, alte Krähe?“

Bei der Erwähnung ihres Spitznamens, erhob sich Crea, die Schamanin des Clans wieder. „Ich bin dort, wo mein Herr mich braucht“, erwiderte sie leichthin.

„Kommst du mit rein?“

Crea schüttelte energisch den Kopf. „In der Gegenwart von Blauspeeren bekomme ich Ausschlag.“ Sie kicherte. Einige der Blauspeer-Krieger warfen ihr verkniffene Blicke zu. „Aber vielleicht wünscht mein Herr meinen Rat, sobald er das Gespräch beendet hat.“

Logan nickte und gab seinem Begleiter ein Zeichen.

Beliak schlug das Fell, das als Tür diente, zurück und ließ Logan eintreten, bevor er sich selbst durch den engen Zugang quetschte.

Im Inneren herrschte eine beklemmende Hitze. Das Feuer musste bereits den halben Tag geschürt worden sein. Die Blauspeere liebten die Hitze. Es hieß, sie schürten die Feuer mit Absicht, und dass sie dadurch Visionen hervorriefen.

Logan war nie ein Freund von Visionen gewesen. Er ging lieber mit offenen Augen durchs Leben und zog es vor, eigene Entscheidungen zu treffen, anstatt sich von mystischen Visionen lenken u lassen.

Am Feuer saß mit blankem Oberkörper ein Moyri, dessen Haupt kein Haar mehr zierte. Trotz seines hohen Alters hielt sich Dys Bollnar aufrechter als so mancher Krieger, der halb so viele Jahre zählte.

Bei Logans und Beliaks Eintreten, öffnete der Mann die Augen und lächelte.

„Ich bin ein Gast in deinem Lager“, sprach er die rituelle Grußformel aus.

„Dann sei mein Gast und genieße Schutz und Annehmlichkeiten dieses Lagers“, antwortete Logan ernst.

Theoretisch war Dys bereits sein Gast, seit dieser das Lager betreten hatte, doch nur der Anführer eines Lagers – in diesem Fall Logan – konnte Gastfreundschaft gewähren.

Mit dem Austausch dieser Floskeln standen nun Dys und seine Gefolgschaft für die Dauer ihres Aufenthaltes unter Logans Schutz. Im Gegenzug verpflichteten sie sich, jegliche Feindschaft oder Antipathie gegenüber den Schwarzbären im Allgemeinen oder einer Person innerhalb des Lagers im Speziellen außen vor zu lassen. Dies war die einzig unveränderliche Regel, die niemals gebrochen werden durfte. Das Gastrecht war den Moyri heilig.

Logan kniete sich auf die andere Seite des Feuers und legte seinen Mantel ab. Dicke Schweißtropfen perlten von seiner Stirn. Beliak postierte sich in der Nähe der Tür, zwischen den Blauspeer-Kriegern und seinem Herrn.

„Du bist weit weg von zu Haus“, eröffnete Logan das Gespräch.

„Darf ein Clanführer nicht einem anderen einen freundschaftlichen Besuch abstatten? Außerdem führte mich mein Weg ohnehin in die Nähe deines Lagers.“

„Und wo führt dich dein Weg noch hin? Vielleicht ins Land der Varis?“

Dys warf Logan einen verdutzten Blick zu. „Varis-Land? Was sollte ich denn im Varis-Land?“

„Das frage ich dich.“

„Es ist verboten, nach Varis zu reisen. Außer, um Handel zu treiben und die Blauspeere sind keine Händler.“

Logan unterdrückte einen ärgerlichen Laut. Der Kerl wand sich wie eine Schlange. Mit keinem Wort hatte er zugegeben, Angriffe auf die Varis befohlen zu haben – und mit keinem Wort, hatte er es abgestritten.

„Du kennst das Edikt, Dys. Nach dem letzten Krieg hat ein Konzil der Clanführer entschieden, nie wieder die Varis oder eines der anderen nördlichen Königreiche anzugreifen. Auch du hast zugestimmt.“

„Meine Zustimmung kam nicht ganz freiwillig, nicht wahr?“, hielt Dys entgegen. „Wer nicht zustimmen wollte, der wurde gezwungen.“

„Dieses Edikt ist zum Wohle aller. In der Vergangenheit ist genug Blut geflossen, das weißt du. Diese Vereinbarung soll helfen, den Krieg aus unserem Leben zu verbannen.“

„Dabei hast du eines vergessen“, zischte Dys mit plötzlich kaum beherrschter Wut, „die Blauspeere sind Krieger, doch ohne Krieg braucht man keine Krieger mehr. Also, was soll aus uns werden? Bauern? Sollen wir nach Süden ans Meer ziehen und Fischer werden?“

Logan wurde schmerzhaft bewusst, dass die Blauspeere zu den glühendsten Anhängern Coyle Polloks gehört hatten. Sie waren ihm bei seinem Kreuzzug gegen den Norden nur zu gern gefolgt. Eine Varis-Stadt, die von den Blauspeeren eingenommen wurde, hatte nicht mit Gnade oder Zurückhaltung rechnen dürfen. In einer schlimmen Zeit, gehörten sie zu den allerschlimmsten.

„Es wird keinen Krieg mit den Varis mehr geben, auch wenn du dir nichts sehnlicher wünscht.“

„Das entscheidest nicht du, Logan.“

„Du auch nicht, Dys.“

„Du bist nur so mutig, weil du den Großteil des Konzils hinter dir hast und deine Schwarzbären jeden einschüchtern, der aufbegehrt.“

„Die anderen Clans haben die Notwendigkeit von Frieden eingesehen. Zumindest die meisten von ihnen.“ Logan seufzte. „Du gibst also zu, deine Krieger nach Norden geschickt zu haben, damit sie Dörfer brandschatzen.“

„Das habe ich nicht gesagt“, meinte Dys und lehnte sich z-rück. „Ich bin ein loyaler Sohn der Moyri und handle entsprechend des Edikts.“

„Es zuzugeben, ist auch gar nicht notwendig.“ Logan machte eine knappe Geste in Beliaks Richtung. Dieser zog sich aus der Jurte zurück, kam aber kurz darauf mit einem Tongefäß wieder. Der Anführer der Eisernen Schakale stellte es vor Dys ab und nahm seinen Posten hinter Logan erneut ein.

Dys bedachte das Gefäß mit misstrauischen Blicken.

„Nur zu“, forderte Logan ihn auf. „Mach es auf.“
Dys folgte der Aufforderung, doch Logan bemerkte ein leichtes Zittern seiner Finger, als er das Tuch zurückschlug. Seine Hand griff hinein. Als sie wieder zum Vorschein kam, hielt sie am Haarschopf den Kopf des Anführers der Moyri-Plünderer. Der Kopf war in Salz eingelegt, um ihn im Klima der Steppe haltbarer zu machen, doch es waren bereits erste Verfallserscheinungen sichtbar.

„Kein Verwandter, hoffe ich?“, fragte Logan provokant.

„Niemand, den ich kenne“, erwiderte Dys, doch seine Kiefermuskeln mahlten bei jedem Wort. „Wer ist das?“

„Ich hatte gehofft, dass du mir das sagen kannst.“

Dys öffnete den Mund, doch bevor er etwas erwidern konnte, zog Logan ein Stück Stoff aus der Tasche und warf es ihm vor die Füße. Es zeigte das Wappen der Blauspeere.

Mit einem Klacken schloss der andere Stammeskönig den Mund. Eine gefühlte Ewigkeit starrte er das Wappen, das vor ihm lag, an.

„Leugnen ist wohl sinnlos geworden.“

„In der Tat“, herrschte Logan ihn an. „Was hast du dir nur dabei gedacht.“

Dys funkelte ihn kampflustig an. „Ich führe mein Volk auf den Weg der Ehre zurück. Den Weg, von dem wir nie hätten abkommen dürfen.“

„Dein verantwortungsloses Handeln gefährdet einen vierjährigen Frieden. Einen Frieden, den die Moyri aus Überzeugung und guten Glauben geschlossen haben.“

„Haben wir das, Logan? Oder hast du lediglich deinen Willen durchgesetzt. Deinen Willen und deine Auffassung von Ehre.“

„Ich habe das Töten beendet.“

Dys schnaubte verächtlich. „Wir hatten sie, Logan. Sie lagen auf den Knien vor uns bei Erys. Nur noch ein Schlag wäre nötig gewesen und die Stadt wäre gefallen. Die Schlacht war entschieden.“

„Und dann? Hast du jemals einen Gedanken an die Zeit nach dem Sieg verschwendet. Keine Königreiche zum Erobern mehr. Keine Feinde zum Bekämpfen. Was wäre dann aus den Moyri geworden. Unser Volk hätte sich gegenseitig zerfleischt.“

„Es wird immer Königreiche zum Erobern und Feinde zum Bekämpfen geben. Notfalls wären wir über die Berge im Osten und Westen gezogen.“

„Du bist wahnsinnig“, lachte Logan verächtlich. „Unser Volk wäre in nicht enden wollenden Kriegen ausgeblutet.“

„Dein Bruder wusste, welcher Weg für die Moyri der richtige ist.“

„Mein Bruder war ein Narr. Und er war ein Tyrann, der die Moyri zur Befriedigung seiner eigenen Ambitionen benutzt hat. Wieviele unserer Leute sind in seinen Kriegen gestorben? Vor den Wällen der Städte, die er schleifen ließ, gefallen? Sag mir das, Dys.“

„Gesprochen wie ein echter Verräter“, höhnte Dys.

Logan sprang wutentbrannt auf und nur der Gedanke an das Gastrecht ließ ihn innehalten, bevor er etwas tun konnte, das ihm zwar nicht leid getan, jedoch schwerwiegende Konsequenzen nach sich gezogen hätte.

„Du nennst mich einen Verräter? Ausgerechnet du, der du gegen ein Edikt des Konzils handelst.“

„Ich bin mehr Moyri als du“, hielt ihm Dys entgegen.

Logan sah auf den anderen Moyri herunter und nahm seinen Mantel auf. „Das Konzil wird über dein Handeln entscheiden, Dys. Ich werde eines einberufen.“

„Tu, was du nicht lassen kannst, Logan.“ Dys schien von der Aussicht, vor ein Konzil zitiert zu werden, nicht im mindesten beeindruckt.

Logan verzog angewidert die Mundwinkel und machte sich bereit, zu gehen. „Du kannst die Gastfreundschaft meines Lagers in Anspruch nehmen, solange du willst.“

„Ich werde morgen in aller Frühe aufbrechen“, erwiderte Dys mit einem vielsagenden Seitenblick auf den abgeschlagenen Kopf. „Aus irgendeinem Grund, fühle ich mich hier nicht mehr willkommen.“

„Dann geh“, sagte Logan, bevor er das Zelt verließ, „aber du solltest dich baldmöglichst um das da kümmern.“ Er deutete auf den Kopf. „In dieser Hitze wird er nicht mehr lange halten.“

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