Preview am Sonntag (24)

Immer sonntags stellen wir einen Auszug aus einem Roman online, der noch nicht erschienen ist. Wir weisen darauf hin, dass die Auszüge aus Manuskripten stammen, die unter Umständen noch nicht im Lektorat und auch noch nicht vorbestellbar sind. Heute: der Auftakt von „Im Schatten des Mondes“, Band 57 der SF-Serie „Rettungskreuzer Ikarus“ von Holger M. Pohl. Der Roman erscheint Ende Oktober. Das Cover/die Cover für den Band 57/die Bände 57 bis 59 stammt/stammen von Lothar Bauer (nebeneinander gelegt ergeben die Bilder ein Gesamtbild).

 

Als der große, breitschultrige Mann mit der fast schwarzen Haut das Hot Vortex betrat, verstummten für einen Augenblick die Gespräche. Für einen sehr kurzen Augenblick. Dann widmete sich jeder wieder seinem Getränk, seinem Tischnachbarn oder sonst etwas. Mit mehr Aufmerksamkeit als vorher. Zumindest hatte Sentenza diesen Eindruck. Er selbst hätte am liebsten auch weggesehen, aber das war einfacher gedacht als getan. Denn der Neuankömmling in seiner makellosen Admiralsuniform des Commenwealths hatte ihn entdeckt und steuerte geradewegs auf ihn zu. Es gab keinen Zweifel daran, dass der Captain der Ikarus sein Ziel war.

Vor Senzentas Tisch blieb er stehen. Weiße Zähne aus einem fast schwarzen Gesicht lächelten ihn an. Der Ausdruck der Augen passte jedoch gar nicht zu diesem Lächeln. Kalt, abschätzend, fast überheblich musterten sie ihn.

»Captain Sentenza?«, fragte der Admiral mit tiefer, erstaunlich angenehmer Stimme.

»Derselbe.«

Unaufgefordert ließ sich der Uniformierte nieder.

»Ich habe Sie gesucht.«

Sentenza hob die Schultern. »Und Sie haben mich gefunden.« Er probierte es ebenfalls mit einem freundlichen Lächeln. »Darf ich fragen, wer mich gesucht hat?« Für einen Augenblick war er versucht, ein »Und warum?« zu ergänzen, aber er nahm an, dass er das noch früh genug erfahren würde. Und war sich sicher, dass er es eigentlich gar nicht erfahren wollte.

»Ich bin Admiral Nicol N’Guda.« Die Art und Weise wie er das sagte, klang, als ob damit alles klar sein müsse. Als ob jeder diesen Namen kennen müsse.

»Ich nehme an, Sie sind gerade erst angekommen«, erwiderte der Captain. »Herzlich willkommen auf Vortex Outpost!« Still fügte er hinzu: Und ich frage dich nicht, was dich herführt und was du von mir willst!

»Danke.« Es klang freundlich, doch es war einfach nur eine Floskel.

»Darf ich Ihnen etwas zu trinken bestellen? Ich kann einen der Fruchtsäfte empfehlen. Sind zwar genauso synthetisch wie fast alles andere hier, aber ganz annehmbar.« Er grinste. »Vom Kaffee würde ich Ihnen jedoch abraten. Der ist nicht synthetisch, schmeckt jedoch grauenhaft.«

N’Guda schüttelte den Kopf. »Danke, aber ich bin nicht hier, um etwas zu trinken. Ich muss mit Ihnen reden.«

Sentenza nickte. »Etwas in der Art habe ich bereits vermutet.«

»Können wir es irgendwo ungestört tun? Auf Ihrem Schiff?«

Wieder lag dem Captain der Ikarus ein »Und worum geht es?« auf der Zunge, doch im letzten Augenblick gelang es ihm, sich die Frage zu verkneifen. Ja, ich bin neugierig, dachte er, aber das muss ich ihm ja nicht auf die Nase binden. Laut meinte er daher: »Die Ikarus ist gerade nicht verfügbar. Ein kleiner Testflug nach Wartungsarbeiten.«

»Ohne ihren Captain?«

»Ach, reine Routine, Admiral. Da braucht man mich nicht. Meine Mannschaft bekommt das ohne mich hin, da habe ich volles Vertrauen.«

N’Guda zögerte, dann meinte er: »Welchen Ort schlagen Sie vor? Es ist streng vertraulich und nicht für jedermanns Ohren bestimmt.«

Wann ist es das schon? Sentenza dachte nach. In seine Unterkunft an Bord der Raumstation wollte er den Admiral nicht führen. Seit seiner Heirat mit Sonja und der Geburt ihres gemeinsamen Kindes nahm er seine Privatsphäre wichtiger als früher. My home is my Castle – oder so ähnlich!

»Wir hätten da ein nettes, kleines Besprechungszimmer im offiziellen Bereich des Rettungsteams. Entspräche das Ihren Vorstellungen?«

Wieder zögerte der Admiral für einen Augenblick, schließlich nickte er.

»Gut. Dann trinke ich noch in Ruhe aus.«

Deutlich war N’Guda anzusehen, dass ihm das nicht passte. Sentenza aber war das gleichgültig. Der Admiral wollte etwas von ihm, nicht umgekehrt. Der Captain hatte es nicht eilig.

*

Was Sentenza als nettes, kleines Besprechungszimmer bezeichnet hatte, war der übliche Briefingraum. In ihm fanden die Besprechungen vor und nach einem Einsatz statt. Natürlich war es nicht unbemerkt geblieben, dass der Captain der Ikarus mit einem dunkelhäutigen Militär in Admiralsuniform in dem Raum verschwunden war. Aber Sentenza hatte sich nicht an den neugierigen Blicken gestört und sich auch nicht davon aufhalten lassen. Wahrscheinlich wusste mittlerweile halb Vortex Outpost Bescheid. Und die andere Hälfte würde spätestens heute Abend Bescheid wissen. Doch auch das störte den Captain nicht.

Er hatte N’Guda aufgefordert, Platz zu nehmen, und sich einen Kaffee aus dem Automaten geholt. Im Gegensatz zum dem Getränk in der Bar, das dort als Kaffee verkauft wurde, schmeckte die Automatenbrühe überraschend gut.

»Also, da wären wir«, meinte er und blickte den Admiral an. Er hatte noch immer keinen Grund, von sich aus nach dem Anlass von N’Gudas Besuch zu fragen. Und er wollte nicht unhöflich erscheinen und den Admiral drängen. Wobei das weniger ausschlaggebend war.

Der hünenhafte Mann ließ sich Zeit. »Was sagt Ihnen Valeran?«, begann er schließlich.

Sentenza dachte nach. »Nicht viel«, antwortete er wahrheitsgemäß. »Irgendeine unbedeutende Welt ein paar Hundert Lichtjahre von hier. Wenig besiedelt, eine halbintelligente einheimische Rasse, die für die Siedler arbeitet.« Er hob die Schultern. »Damit erschöpft sich mein Wissen auch schon. Gäbe es mehr zu wissen?«

N’Guda nickte. »Einiges«, erwiderte er, »doch für den Anfang genügt das.« Er sah Sentenza aus dunkelbraunen Augen sehr eindringlich an. »Sie müssen eine Rettungsmission für mich durchführen.«

»Eine Rettungsmission?«, fragte der Captain zurück. »Ist etwas auf Valeran geschehen, das etwas Derartiges erforderlich macht? Ein Unfall? Eine Seuche? Eine Umweltkatastrophe?«

Der Admiral schüttelte den Kopf. »Nichts von alldem. Sie müssen einfach hinfliegen, jemanden abholen und zurückkommen. Das ist alles.«

Sentenza grinste. »Das ist alles? Wenn es das wäre, dann hätte ich nicht die Ehre Ihrer Anwesenheit, Admiral. Dann wären Sie längst mit einem Ihrer schönen Kriegsschiffe oder einer Kurierjacht unterwegs und würden das selbst erledigen. Also, wo ist der Haken an der Geschichte? Und sagen Sie nicht, es gäbe keinen! So dumm bin ich nun auch wieder nicht.«

»Es gibt Einzelheiten, die Sie nicht interessieren müssen, Captain. Und die für den Auftrag auch keine Rolle spielen. Es gibt Gründe, warum das Commonwealth, warum ich nicht offiziell in Erscheinung treten kann. Auch die müssen Sie nicht interessieren.« Seine Stimme war ganz Militär: befehlsgewohnt und nicht daran gewöhnt, Widerspruch zu erhalten.

Aber den Gefallen tat Sentenza ihm nicht. Das war vorbei.

»Sehen Sie, Admiral«, begann er langsam, als müsse er einem Schulkind etwas erklären, »die Ikarus ist ein Rettungskreuzer. Und wie diese Bezeichnung schon sagt, geht es um Rettung. Das bedeutet aber, dass irgendjemand Hilfe benötigt. So wie Sie das schildern, geht es aber nur um einen … hmm … Transportflug, eine Art Taxi: Hinfliegen, abholen, zurückkommen. Wie ich schon ausdrückte, kann das auch ein Kriegsschiff, oder, falls Ihnen das ein wenig zu übertrieben erscheint, ein kleines Kurierschiff erledigen.« Er wusste, dass er sich wiederholte, aber manchmal war das nötig. »Dazu brauchen Sie die Ikarus nicht. Und solange Sie mir keinen Grund nennen, weshalb Sie gerade meine Mannschaft, mein Schiff und mich brauchen, solange sehe ich keine Veranlassung, auch nur in Erwägung zu ziehen, darüber nachzudenken.« Er lächelte. »Wir unterstehen nicht dem Commonwealth, wie Sie wahrscheinlich wissen.«

Deutlich war der Miene des Admirals anzusehen, wie sehr er Senzentas Worte missbilligte. »Sie meinen also, ich könnte es Ihnen nicht befehlen?«

»Richtig«, stimmte der Captain zu, »Sie können mir nichts befehlen.« Auf eine seltsame Art fühlte Sentenza sich durch diese Worte befriedigt. »Und ich meine außerdem, Admiral, wenn kein Notfall vorliegt, dann ist ein Einsatz der Ikarus überflüssig.«

Einige Augenblicke starrten sie sich schweigend an. Im Gesicht des Admirals arbeitete es. Der Captain konnte sich durchaus vorstellen, dass N’Guda geglaubt hatte, es sei einfach, ihn zu irgendetwas zu überreden. Militär eben, dachte Sentenza mit Belustigung. Auftritt, stramm stehen, Gehorsam. So läuft es, denken sie. Tja, das ist vorbei.

»Sie sollen einen Mann von Valeran holen, der dort in Schwierigkeiten sein könnte«, begann der Dunkelhäutige schließlich. »Ich weiß nicht, ob er in Schwierigkeiten ist, aber die Möglichkeit besteht. Insofern ist es eine Rettungsmission, wenn Sie so wollen.«

Sentenza ahnte etwas. »Worin diese Schwierigkeiten bestehen könnten, gehört natürlich zu den Dingen, die keine Rolle spielen«, vermutete er. »Und wenn er in diesen besagten Schwierigkeiten stecken sollte, dann ist das Abholen wahrscheinlich nicht ganz einfach. Vielleicht ist es dann mehr eine Befreiungsaktion.« Er hob die Schultern. »Ich gebe zu, wer befreit werden muss, muss irgendwie auch gerettet werden.« Er wurde wieder ernst. »Umso mehr sehe ich darin eine Aufgabe des Militärs.«

»Das Raumcorps ist doch eine militärische Organisation!«

Sentenza lachte. »Ja, so sieht man uns gerne und meint, wir seien Befehlsempfänger von von jedem, der ein Anliegen an uns hat.«Er beugte sich vor und zeigte ein grimmiges Lächeln. »Ich versichere Ihnen aber, Admiral, dass wir alles andere als Befehlsempfänger sind. Zumindest was Befehle vom Commonwealth oder sonst jemanden angeht, der nicht dem Freien Raumcorps respektive der Rettungsabteilung angehört. Dass wir etliche militärische Strukturen übernommen haben … erleichtert das eine oder andere, macht uns aber noch lange nicht zu einer militärischen Organisation. Wir bewahren uns gerne unsere Unabhängigkeit.«

Es dauerte ein paar Sekunden, bis N’Guda antwortete: »Ein Militäreinsatz kommt nicht in Frage. Es gibt ein verschiedene … politische Verwicklungen, die das ausschließen.«

Plötzlich fiel dem Captain ein, was er noch über Valeran gehört hatte. Und es wollte ihm gar nicht gefallen. »Ihr Mann ist ein Spion!«

Der Admiral fühlte sich in seiner Haut nicht wohl, wie Sentenza innerlich amüsiert bemerkte. Hatte er es sich einfacher vorgestellt? Er musste den Ruf des Captains der Ikarus doch kennen. Weder das Raumcorps und schon gar nicht Sentenza gehörten zu jenen, die vor dem Commonwealth kuschten und demütig alles annahmen und taten, was irgendeines seiner Sternenreiche erwartete. Zumindest was ihn betraf, war das lange vorbei.

»Sagen wir es so«, begann N’Guda zurückhaltend, »mein Mann ist jemand, der wertvoll für uns ist. Er informiert mich über … gewisse Dinge, die auf Valeran vor sich gehen. Nennen Sie ihn einen Spion. Ich ziehe Informationsbeschaffer vor.«

Langsam dämmerte es Sentenza, doch es dauerte noch ein paar lange Augenblicke, bis der Groschen endlich fiel. »Er ist illegal dort! Und mit illegal meine ich: wirklich illegal. Selbst im Sinne Ihrer Vorgesetzten. Sie wissen nicht, dass er dort ist. Und wüssten sie es, würden sie es nicht billigen, und Sie wären derjenige, der ernsthafte Schwierigkeiten bekäme!« Er lachte auf. »Ich sehe, es ist schon eine Rettungsmission. In erster Linie geht es darum, Ihre Haut zu retten. Sie können kein offizielles Schiff entsenden, weil das Fragen nach sich ziehen würde, die Sie nicht beantworten wollen. Oder nicht können! Sie sind nicht einmal offiziell hier.«

Der Admiral kniff die Lippen zusammen. Für Sentenza ein Zeichen, dass er der Wahrheit sehr nahe gekommen war. Doch irgendetwas, ein Instinkt, seine Erfahrungen mit dem Commonwealth, sagte ihm, dass das noch nicht alles war.

»Sie haben Recht und auch nicht, Captain«, meinte N’Guda schließlich. Er fand langsam zu seiner Ruhe und Souveränität zurück. »Sie haben Recht damit, dass mein … Mann auf einer illegalen Mission unterwegs ist. Sie haben ebenfalls Recht, dass meine Vorgesetzten diese Mission missbilligen, allerdings wissen sie davon und kennen ihre Notwendigkeit. Nichtsdestotrotz missbilligen sie sie. Sie würden einer offiziellen Rettungsmission nie zustimmen. Das habe ich mehrfach versucht. Sie kennen das Commonwealth. Persönliche Belange spielen nur eine sehr untergeordnete Bedeutung. Jedenfalls dann, wenn man seinen Platz nicht ganz oben auf der Pyramide hat. Wenn ich aber auf offiziellem Weg und mit Billigung meiner Vorgesetzten keine Rettungsmission in Marsch setzen kann, dann muss ich es anders versuchen.«

Der letzte Stein fiel in Sentenzas Mosaik. »Sie haben eine besondere Beziehung zu dem Mann auf Valeran!«

N’Guda nickte. »Ja. Und es ist kein Mann, den Sie retten sollen. Es ist eine Frau. Ihr Name lautet Iska N’Guda.«

Sentenza hob die Augenbrauen. »Iska N’Guda?«

Der Admiral nickte erneut. »Meine Frau.«

*

Eine ganze Zeit lang herrschte Schweigen. In Sentenza überschlugen sich die Gedanken. So fragte er sich, ob diese Rettungsmission überhaupt erforderlich war. Oder ob hier nur ein besorgter Ehemann vor ihm saß, der seine Frau aus einer Schusslinie bringen wollte, in der sie aber zu keiner Zeit stand. Oder ob alles doch so dringend war, wie N’Guda behauptete.

»Ihnen ist aber durchaus klar, dass wir mehr oder weniger doch dem Commonwealth angehören?«, fragte er schließlich. »Zwar nur sehr indirekt und um ein paar Ecken herum, aber Ihre Vorgesetzten werden es auf diesem oder jenem Wege erfahren, wenn wir aufbrechen.«

»Dessen bin ich mit bewusst«, versicherte der Dunkelhäutige. »Allerdings ist Ihr … Verhältnis zum Commonwealth bekannt.«

Roderick Sentenza nickte lächelnd. »Verstehe. Da offiziell niemand etwas unternehmen möchte, wird sich jeder denken, dass genau das der Anreiz für einen gewissen Captain war.«

N’Guda hob schweigend die Schultern, was Sentenza als Zustimmung wertete.

»Ich muss darüber nachdenken«, meinte er schließlich, »und natürlich mit meiner Vorgesetzten reden. Ich kann nicht so einfach aufbrechen, ohne sie zu informieren.«

»Verständlich.«

»Außerdem …«

»Außerdem?«

Sentenza zögerte. »Irgendjemand muss die Kosten übernehmen«, sagte er dann. »Es ist zwar so, dass wir von Fördergeldern aus unterschiedlichsten Quellen finanziert werden, aber da es keinen offiziellen Auftrag und keinen dramatischen Anlass gibt …« Er zuckte mit den Schultern.

»Verstehe«, erwiderte der Admiral. »Sie werden Rechenschaft abliefern müssen, und man wird Ihnen die Kosten vorhalten.«

Von der Frage nach dem Sinn ganz zu schweigen, fügte Sentenza in Gedanken hinzu.

»Machen Sie sich darüber keine Gedanken. Ich bin nicht unvermögend. Ich werde selbstverständlich einen ausreichenden Betrag auf das Konto des Raumcorps überweisen.«

Der Captain fragte nicht nach, wie vermögend N’Guda war. Er hoffte nur, dass es ausreichend sein würde. Halt, Stopp!, rief er sich in Gedanken zur Ordnung. Noch ist gar nicht sicher, ob die Sache überhaupt steigt. Ehe ich an Geld und Bezahlung denke, sollte ich erst einmal klären, ob wir überhaupt aufbrechen. Denn es gab da die eine oder andere Stimme, die sicherlich ein Wörtchen mitreden wollte. Außerdem musste er erst ein paar Erkundigungen einziehen. Da konnte ja jeder kommen und behaupten, seine Frau müsse gerettet werden.

»Wie kann ich Sie erreichen?«

»Ich logiere im Vortex Inn, Zimmer 1289«, gab N’Guda Auskunft. »Dort erreichen Sie mich oder können mir eine Nachricht hinterlassen.«

Sentenza nickte. Wollte er noch etwas wissen? Ja, da war noch etwas. Etwas ganz Entscheidendes. »Können Sie mir sagen, wie riskant die ganze Sache wird?« Er blickte fest in N’Gudas Augen. Dort sah er aber nichts anderes als Härte und Strenge.

»Die Angelegenheit ist natürlich nicht völlig risikofrei«, gestand der Mann schließlich. »Nicht für Leib und Leben, falls Sie das meinen. Doch wie ich schon sagte, das Verhältnis des Commonwealths zu Valeran ist … sagen wir … es ist labil. In dem Punkt«, nun war es an ihm, Sentenza einen eindringlichen Blick zuzuwerfen, »müssen Sie nicht mehr wissen.«

»Nein? Hm, ich weiß nicht, wie ich es meiner Vorgesetzten verkaufen soll, dass die Sache nicht risikofrei ist, der Auftraggeber sich aber nicht bereit zeigt, etwas über die Hintergründe des Risikos zu sagen. Schwierig, sehr schwierig.«

Wieder zögerte der Admiral mit einer Antwort. »Es gibt gewisse politische Verwicklungen, die die Beziehungen belasten«, meinte er dann langsam. »Valeran ist ein Matriarchat. Männer sind dort von untergeordneter Bedeutung. Die letzten Kontakte … verliefen wenig zufriedenstellend, wenn Sie verstehen, was ich meine.«

Sentenza verstand. Irgendein männlicher Diplomatentrampel hatte Porzellan zerschlagen. Es gab nicht viele matriarchalische Gesellschaftsformen, die er kannte. Aber er wusste, dass man sie mit Samthandschuhen anfassen musste. Jedenfalls wenn ein männliches Wesen daran dachte, sie anzufassen.

»Darum ist auch meine Frau auf dem Planeten. Ich hegte die Hoffnung, sie könne ein paar der Risse schließen, die in den vergangenen Monaten entstanden sind. Sie werden also weniger mit Problemen zu tun bekommen, die mit Gewalt oder Technik zu lösen sind. Ihre Probleme werden mehr … diplomatischer Natur sein. Was das Commonwealth von Valeran will, spielt dabei wirklich keine Rolle. Und das soll auch nicht Ihre Sorge sein. Das muss das Commonwealth selbst lösen. Sie sollen nur meine Frau von dem Planeten holen.«

Plötzlich ging Sentenza eine Frage durch den Kopf: Warum verließ Iska N’Guda Valeran nicht einfach? So wie der Admiral es darstellte, waren zwar die diplomatischen Beziehungen belastet, aber das sollte kein Problem darstellen.

»Nun, ich werde sehen, was ich tun kann«, antwortete er schließlich. »Für den Augenblick weiß ich genug.« Natürlich wusste er nicht genug, aber er wollte erst ein paar Erkundigungen einziehen, ehe er weiter über alles nachdachte. N’Guda musste das sicher klar sein. »Ich melde mich bei Ihnen, sobald ich mehr sagen kann.«

»Einverstanden«, gab der Admiral zurück und stand auf.

Es folgten noch ein paar höfliche Abschiedsfloskeln, dann ging N’Guda.

So, dann wollen wir mal sehen, was wir so alles in Erfahrung bringen, dachte Sentenza und aktivierte das Kommunikationsgerät des Besprechungsraumes. Er wählte eine Nummer, und ein paar Augenblicke später erschien das Abbild einer Frau auf dem Schirm.

»Ah, sieh an, unser Rettungscaptain«, grüßte sie und grinste schief. »Was kann ich dieses Mal für dich tun?«

»Es freut mich auch, dich zu sehen, Kiala«, erwiderte Sentenza. Er und die Frau kannten sich bereits seit einiger Zeit und waren sich rein freundschaftlich nähergekommen. Nach und nach hatte sich dabei ein besonderes Verhältnis entwickelt. Kiala war dabei zu so etwas wie seinem persönlichen Informationsnetzwerk auf Vortex Outpost geworden. Der Umstand, dass die eine leitende Funktion in der Kom-Zentrale der Station inne hatte, kam dabei natürlich höchst gelegen. »Ich hätte da eine Frage«, fuhr er schließlich fort. »Und vielleicht kannst du mir sie beantworten …«

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