Preview am Sonntag (12)

Immer sonntags stellen wir einen Auszug aus einem Roman online, der noch nicht erschienen ist. Wir weisen darauf hin, dass die Auszüge aus Manuskripten stammen, die unter Umständen noch nicht im Lektorat und auch noch nicht vorbestellbar sind. Vor geraumer Zeit hatten wir den Prolog aus »Brüder im Geiste« von Stefan Burban online gestellt, hier. Da das Buch in Kürze in den Druck geht, ist heute vermutlich die letzte Gelegenheit, einen weiteren Auszug online zu stellen. Es handelt sich um das erste Kapitel.

 
Die Baracken waren ebenso heruntergekommen wie der Truppentransporter, der sie hergebracht hatte. Sie schienen darüber hinaus auch genauso alt zu sein. Trotzdem fielen viele der Rekruten des neuen 171. Regiments auf die unbequemen, harten und unbezogenen Matratzen, sobald sie sich eine Schlafstatt gesichert hatten, und fingen sofort an zu schnarchen.

Die Baracken waren mit Doppelbetten ausgerüstet, auf denen Bettzeug lag. Derek sicherte sich die obere Matratze eines Bettes im hinteren Teil der Unterkunft. Direkt neben seinem Bett befand sich ein Fenster, wodurch die Geruchsbelästigung auf ein Minimum reduziert und das für angenehme Kühlung sorgen würde. Er faltete das Bettzeug auseinander und machte sich daran, sein Bett zu beziehen. Er achtete peinlich genau darauf, dass eine Münze von dem Bettlaken abprallen könnte. Ein Überbleibsel seiner militärischen Ausbildung. Die Macht der Gewohnheit war schwer abzulegen.

Kolja sicherte sich das Bett unter Derek, wobei er ein vergnügtes Grinsen zur Schau stellte. So langsam ging es Derek gehörig auf die Nerven.

»Was hat dich hierher verschlagen?«, fragte Kolja, während er einen Seesack mit seinen wenigen Habseligkeiten auspackte.

»Lange Geschichte.«

»Das sind die besten.«

»Nicht wirklich«, hielt Derek dagegen und hoffte, das Gespräch sei damit beendet, doch Kolja hatte nicht vor, es ihm einfach zu machen.

»Warst du schon mal Soldat?«

Derek stutzte und sah sich zu dem kleineren Mann um. »Wie kommst du darauf?«

»Ich weiß nicht. Ist bloß eine Vermutung. Jedenfalls beziehst du dein Bett wie einer.«

Derek lächelte leicht angesichts des überraschenden Scharfsinns seines neuen Kameraden.

»Ja, ich war mal bei einer planetaren Miliz.«

»Wo?«

Derek machte sich wieder daran, sein Bett zu beziehen. »Weit weg. Das war in einer anderen Zeit. Einem anderen Leben.«

Kolja musterte ihn schweigend und vermittelte den Eindruck, noch etwas sagen zu wollen, doch schließlich zuckte er die Achseln und widmete sich erneut seiner Arbeit.

»Das ist mein Bett«, sprach ihn unvermittelt eine harte Stimme an. Derek und Kolja sahen sich gleichzeitig um. Ihnen stand der große Rüpel gegenüber, der ihm schon auf dem Flugfeld aufgefallen war. Der Kerl deutete auf Koljas Schlafstatt.
»Tut mir leid«, sagte dieser, »aber wer zuerst kommt, malt zuerst.«

Der Riese kam drohend näher. »Ich sagte, das ist mein Bett.«

Der Hüne ragte gut drei Köpfe über Kolja auf. Dieser wurde sichtlich bleich, da ihm langsam ein Licht aufging, in was für Schwierigkeiten er sich befand.

Derek kannte diesen Typ Mensch. In seiner Schulzeit hatte man so etwas gemeinhin einen Rowdy genannt. Sie bekamen normalerweise, was sie wollten, einfach weil sie stärker und größer waren als alle anderen – allerdings waren sie auch immer ein wenig unterbelichtet. Derek hatte in seiner Schulzeit selbst mal so jemanden gekannt. Er hatte die ganze Klasse tyrannisiert. Solche Kerle waren die Pest. Bei der Erinnerung daran, grinste Derek verschmitzt. Ja, der Kerl war wirklich die Pest gewesen … bis er auf jemand getroffen war, der noch größer und stärker gewesen war als er selbst. Nach dieser Begegnung war er nicht mehr so großspurig gewesen.

Solche Typen versuchten, in einer neuen Umgebung sofort eine dominante Position einzunehmen, weil sie der Meinung waren, sich behaupten zu müssen. Die beste Methode hierzu war es, Schwächere zu drangsalieren.

Derek hatte es sich auf seine Fahnen geschrieben, nie einem solchen Rowdy einen Grund zu liefern, es auf ihn abzusehen. Niemals. Es war besser, sich aus Schwierigkeiten herauszuhalten.

Doch als er sah, wie Kolja vor dem viel Größeren in sich zusammenfiel und auch noch anfing, unkontrolliert zu zittern, ging es mit ihm durch und er sagte etwas, das er selbst als äußerst dumm empfunden hätte – wenn er sich denn die Zeit genommen hätte, darüber nachzudenken.

»Warum suchst du dir nicht einfach jemand anderen zum Spielen? Der Junge hat das Bett zuerst belegt.«

Der Blick des Hünen richtete sich auf ihn, die Augenbrauen zogen sich drohend über der Nasenwurzel zusammen. Widerspruch war er offenbar nicht gewohnt.

»Sieh einer an. Schon wieder du. Kümmer dich um deinen eigenen Scheiß! Ich bestimme, wo ich schlafe.«

Halt die Klappe, Derek! Halt einfach die Klappe!, beschwor er sich selbst.

Derek seufzte.

»Ich weiß nicht, aus welcher Kloake du gekrochen bist, aber hier beim Militär läuft es anders.«

»Kloake?« Der Hüne richtete sich zu voller – beachtlicher – Größe auf und schob Kolja beiseite, der über die Verlagerung der Aufmerksamkeit seines Widersachers sichtlich erleichtert wirkte.

»Wiederhol das doch noch mal, Großmaul!«

»Das Großmaul hier bist du. Schüchterst Schwächere ein und denkst, dass du damit durchkommst.«

Der Hüne packte Derek am Kragen. »Du brauchst wohl eine Lektion in gutem Benehmen.«

»Du scheinst von dir selbst auf andere zu schließen«, mischte sich eine andere Stimme ein.

Der Hüne und Derek wandten sich dem Neuankömmling gleichzeitig zu. Der Mann war etwa so groß wie Derek und von stämmiger Statur, was nicht bedeutete, er wäre mollig gewesen. Ganz im Gegenteil, seine Stämmigkeit rührte von einer gut definierten Muskulatur her. Sein Hautteint war um einige Nuancen dunkler als bei allen anderen Anwesenden. Außerdem trug der Mann einen roten Punkt auf der Stirn. Und noch etwas anderes fiel Derek auf: Der Mann zeigte vor dem Rüpel keinerlei Angst.

»Was haben wir denn da?«, höhnte der riesenhafte Kerl. »Noch einen potenziellen Todeskandidaten.«

»Lass ihn los!«, erwiderte der Neuankömmling ungerührt. »Sofort!«

Der Rüpel gehorchte sogar und ließ Derek los, jedoch nur um noch in derselben Bewegung mit seiner Faust auszuholen. Der Schlag hätte den anderen mit Sicherheit gefällt, wenn er denn getroffen hätte.

Der dunkelhäutige Mann wich gekonnt nach links aus, seine Hand kam in einer geschmeidigen Bewegung hoch, die Finger wie tödliche Dolche ausgestreckt.

Er stieß seine Fingerspitzen kaltblütig gegen den Adamsapfel seines Gegners. Dieser keuchte auf und klappte wie ein nasser Sack in sich zusammen, während er verzweifelt versuchte, zu Atem zu kommen.

»Ich hätte dich töten können«, sprach der Fremde ungerührt weiter, als hätte die Konfrontation gar nicht stattgefunden. »Denk daran, wenn du das nächste Mal Streit suchst, und jetzt verschwinde!«

Der Riese sammelte den Rest seiner Würde ein und kroch unter dem wachsamen Blick des anderen zu einem noch freien Bett davon. In der Baracke war es mucksmäuschenstill. Die Auseinandersetzung wurde von Dutzenden Augenpaaren gespannt verfolgt. Nicht wenige musterten den dunkelhäutigen Mann mit großen Augen. Dieser gab vor, von alledem nichts zu bemerken, drehte sich ohne ein Wort um und ging zu seinem eigenen Bett zurück.

Derek und Kolja wechselten einen Blick und gingen ihm schließlich nach. Da die Auseinandersetzung beendet war, kehrte das Leben in die Baracke zurück, als sich alle wieder ihren jeweiligen Tätigkeiten widmeten.

»Danke«, sagte Derek ehrlich.

»Ja, von mir auch«, schloss sich Kolja immer noch ein wenig atemlos vor Ehrfurcht an.

»Mein Name ist Derek Carlyle, das ist Kolja Koslov«, stellte Derek sie beide vor.

Der andere widmete ihnen nur einen beiläufigen Blick. Derek überkam das ungute Gefühl, der Mann überlegte, ob er überhaupt antworten sollte.

»Narim Singh«, sagte er schließlich.

»Danke«, sprach Derek weiter. »Für deine Hilfe eben.«

»Schon gut. Ich verabscheue solche Typen.«

»Das war echt super«, plapperte Kolja drauflos. »Wirklich super. Wie du den Typen fertiggemacht hast. Mit solchen Fertigkeiten solltest du bei den regulären Truppen sein. Nicht bei unserem Haufen. Wo lernt man denn so was?«

Narim schwieg zunächst, als er doch antwortete, war sein Tonfall bar jeder Emotion. »Bei den ROCKETS.«

Derek stockte der Atem. Nun war es an ihm, den Mann vor Ehrfurcht anzustarren.

»Du warst bei den ROCKETS? Was zum Teufel machst du dann hier?«

»Ist das wichtig?«

»Ich … ich bin nur neugierig.«

Narim überlegte angestrengt. Er drehte sich zu den beiden um und als er anfing zu sprechen, fiel ihm jedes Wort sichtlich schwer.

»Ich habe Mist gebaut. Hab im Gefängnis gesessen. Darauf folgte unehrenhafte Entlassung. Keine reguläre Einheit wird mich mehr nehmen.« Er sah sich in der Baracke um. »Die Anforderungen von Freiwilligeneinheiten sind jedoch wesentlich geringer. Sie sind die Einzigen, die mich noch haben wollen.« Er lachte humorlos. »Besser als nichts … irgendwie.«

»Das ist … tragisch«, sagte Derek in Ermangelung besserer Worte.

»Ja«, erwiderte Narim emotionslos. »Das ist es.«

»Und ihr beide?«, fragte Narim interessiert. »Was verschlägt euch zu dieser Reserveeinheit?«

Kolja zuckte die Achseln. »Ich wollte am liebsten zum Gebirgsjägerkorps der TKA.«

»Und was hielt dich auf?«, fragte Derek.

»Na, unter anderem meine panische Höhenangst – und noch ein paar andere Phobien. Also haben sie mir die Wahl gelassen. Entweder das Zivilleben oder diese Einheit.« Er breitete die Arme aus. »Und hier bin ich.«

Narims Blick richtete sich auf Derek. »Und du?« Derek fühlte plötzlich auch Koljas neugierigen Blick auf sich und ihm wurde klar, dass er um dieses leidige Thema wohl nicht herumkam.

»Ich war bei der planetaren Miliz auf Rainbow, als die Invasion begann.«

Narim zog beeindruckt eine Augenbraue hoch und stieß einen lang gezogenen Pfiff aus. »Da hast du ja einiges hinter dir. Ein heldenhafter Kampf. Meine Anerkennung.«

Derek sah betreten zu Boden. Er wusste genau, worauf Narims Anspielung abzielte. Die Verteidiger von Rainbow hielten während der Invasion durch die Slugs die Invasoren vor der planetaren Hauptstadt fast einen vollen Tag auf und verschafften dem Großteil der Bevölkerung kostbare Stunden für die Evakuierung. Die Verluste der Verteidiger waren jedoch erschreckend hoch. Neun von zehn Soldaten der damaligen Schlacht waren tot oder galten seither als vermisst.

»Danke, aber diese Schlacht ist nichts, woran ich mich gern erinnere.«

»Glaub ich gern.«

»Ich gehörte zu den wenigen, die es bis zur Evakuierung geschafft haben. Von Rainbow ging es gleich nach Fortress, wo ich eine der schlimmsten Schlachten des Krieges erleben durfte.« Dereks Stimme troff vor Verbitterung und Sarkasmus.

»Als die Ruul zurückgeschlagen waren und es schien, als würden sie Ruhe geben, hab ich bei nächstbester Gelegenheit den Dienst quittiert.«

»Und jetzt willst du wieder mitmischen?«

»So ungefähr, aber wenn man das Militär einmal in einer Krisensituation verlässt, nehmen sie einem das ziemlich krumm. Es geht mir wie dir. Eine andere Einheit als ein Freiwilligenregiment wollte mich nicht nehmen.«

Narim zuckte lässig mit den Achseln. »Wir haben doch alle unsere Vorgeschichte. Umsonst ist niemand bei einem Freiwilligenregiment. Wisst ihr, wie man solche Einheiten gemeinhin beim Militär nennt? Abfalleimer. Weil diese alles aufnehmen, was sonst nie eine Waffe in die Hand bekommen würde. Ausnahmslos sind wir gescheiterte Existenzen.«

Derek nickte.

Den wichtigsten Teil seiner Erzählungen ließ er jedoch wohlweislich aus. Nicht aus Angst, was die anderen von ihm denken mochten, sondern aus Scham über das eigene Handeln. Er hatte es nur deshalb zur Evakuierung geschafft, weil er früher als alle anderen mit seiner Einheit den Rückzug angetreten hatte. Auf die Weise hatte er eines der letzten Evakuierungsschiffe erreicht.

Eine Anklage wegen Pflichtverletzung oder Feigheit vor dem Feind hatte es nicht gegeben, aber schlicht und ergreifend aus dem Grund, weil er technisch gesehen das Recht gehabt hatte, seiner Einheit den Rückzug zu befehlen. Zu diesem Zeitpunkt hatte niemand mehr den Oberbefehl geführt. Jeder lokale Kommandeur, angefangen bei Zugführern bis hin zu Bataillonskommandeuren, hatte weitestgehend freie Hand gehabt. Trotzdem änderte dies nichts daran, dass er sich selbst als Feigling sah. Er war in Panik geraten und hatte seine Leute im Stich gelassen, die nach seinem Abzug noch stundenlang weitergekämpft hatten. Auf Fortress hatte er dann versucht, sich zu beweisen, sich selbst davon zu überzeugen, dass er kein Feigling war. Trotzdem hatte er nach der Schlacht den Dienst quittiert, weil er die Blicke anderer Soldaten nicht ertragen konnte. Ein solches Verhalten ließ sich nicht lange geheim halten und Gerüchte über ihn hatten schnell die Runde gemacht.

Dieses Mal wird alles anders, schwor er sich insgeheim.

 

Die nächsten Stunden verbrachten sie damit, sich in ihre neue Umgebung einzugewöhnen und sich gegenseitig kennenzulernen. Wie sich herausstellte, kam Kolja aus Wladiwostok und Narim aus Indien.

Vor allem in der Kennenlernphase zeigte sich, dass Narims Sicht der Dinge durchaus nicht von der Hand zu weisen war.

Da war zum Beispiel der Riese, mit dem Derek, Kolja und Narim aneinandergeraten waren. Sein Name war Manoel Calderon. Er stammte aus der Akosta-Kolonie nahe der RIZ. Er gab recht freimütig zum Besten, dass der psychologische Dienst der Streitkräfte ihn abgelehnt hatte. Wegen AMI.

Derek verdrehte bei dieser Äußerung vor Frust die Augen. Das konnte ja heiter werden. AMI stand für Akute Mentale Instabilität und bedeutete im Klartext, dass der Mann nicht alle Tassen im Schrank hatte. Er neigte zu cholerischen Ausrastern, die im Ernstfall nicht nur ihn, sondern seine ganze Einheit gefährdeten. Dass ihn eine Freiwilligeneinheit aufgenommen hatte, bewies überdeutlich, wie verzweifelt man auf der Suche nach Soldaten war und dass man praktisch jeden nahm, so unbrauchbar und sogar gefährlich er auch war. Nach eigener Angabe war er ein recht brauchbarer Scharfschütze. Das mochte stimmen oder nicht. Keiner der Anwesenden hatte die Möglichkeit, das nachzuprüfen. Vermutlich war der Mann einfach nur ein Aufschneider.

Die nächste in der Runde war Gina Hooper, die ihrem gewalttätigen Ehemann davongelaufen war und das Militär quasi als Versteck nutzte. Dass es sich durchaus im Bereich des Möglichen befand, dass man auf sie schießen könnte, schien dabei völlig an ihr vorüberzugehen. Sie stammte aus der Marskolonie.

Eveline DaSilva, die in einem der orbitalen Habitate des Jupitermondes Titan geboren und aufgewachsen war, hatte es aus purer Langeweile zu den Streitkräften verschlagen. Dass sie eine eher lockere Moral und ein freches Mundwerk hatte, das sie nur schwer im Zaum hielt, verhinderte, dass sie zu einer regulären Einheit kam. Derek vermutete, dass ihre Beweggründe, zum Militär zu gehen, ebenfalls zu dieser Entscheidung beigetragen hatten.

Jessica Cummings schien noch die normalste der Anwesenden zu sein. Sie stammte ebenfalls von Rainbow und hatte es mit den letzten Transportern geschafft, evakuiert zu werden. Leider hatte sie während der Kämpfe ihre ganze Familie verloren. Ehemann und zwei Kinder. Der psychologische Dienst hatte ihr schwere Depressionen bescheinigt, was sie vom Eintritt in eine reguläre oder sogar Fronteinheit automatisch ausschloss.

Manfred Baumann, der aus der Neu-Berlin-Kolonie stammte, hatte sogar bei den Marines gedient. Vor zwei Jahren war er während eines ruulanischen Überfalls schwer verwundet worden. Sein rechter Arm war durch eine Prothese ersetzt worden. Danach hatte man ihn vor die Wahl gestellt: ehrenhafter Ruhestand oder Dienst bei einer Freiwilligeneinheit. Seine Entscheidung mochte den einen oder anderen verwundern, doch Derek hatte auf Rainbow Soldaten wie Baumann gekannt. Solche Männer ließen sich von etwas so Belanglosem wie einem verlorenen Arm nicht davon abbringen, das zu tun, was sie als ihre Pflicht ansahen.

Yato Kamamura, ein kleiner und spindeldürrer Asiate, war auf der Flucht vor den Ermittlungsbehörden auf der Kyotokolonie, wobei Flucht in diesem Fall nicht wirklich zutraf. Bei geringen Vergehen bot man den Betreffenden neuerdings eine Amnestie an, falls sie sich zu einer Freiwilligeneinheit meldeten. Nach drei Jahren Dienst, wurde das Vergehen endgültig als erledigt betrachtet und die Kriminellen durften ins Zivilleben zurückkehren.

Die Letzte im Bunde war Nadja Rouganova, eine etwas untersetzte, rothaarige Tschechin von der Erde. Sie gehörte zu den wenigen, die aus Überzeugung hier waren. Sie glaubte tatsächlich daran, dass es wichtig war, dass es solche Einheiten wie das 171. gab. Andere, wichtige Einheiten sollten entlastet werden. Sie erzählte, dass sie sich am liebsten zu einer TKA-Einheit gemeldet hätte, doch einige Beschwerden, an denen sie litt, hätten dies verhindert. Was dies für Beschwerden waren, erzählte sie jedoch nicht. Für Dereks Dafürhalten, sah sie ganz gesund aus. Derek musterte jeden Einzelnen nachdenklich. Sie waren wirklich ein heruntergekommener Haufen Verlierer.

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